Beim Dry Needling ertastet die Physiotherapeutin zunächst den aktiven Triggerpunkt im Muskel. Dann führt sie eine sehr feine Nadel durch die Haut gezielt in diesen Punkt ein. Trifft die Nadel den verspannten Faserstrang, kann eine kurze, unwillkürliche Zuckung des Muskels auftreten – die sogenannte «local twitch response». Genau diese Reaktion gilt als Zeichen, dass der Triggerpunkt getroffen wurde und sich löst: Die Durchblutung verbessert sich, der Muskeltonus normalisiert sich und der Schmerz lässt nach.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Akupunktur: Beide nutzen ähnliche Nadeln, verfolgen aber unterschiedliche Konzepte. Akupunktur stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und arbeitet entlang von Meridianen und Energiepunkten. Dry Needling basiert auf westlicher Anatomie und behandelt gezielt myofasziale Triggerpunkte im Muskel. In der Schweiz wird Dry Needling überwiegend von entsprechend weitergebildeten Physiotherapeutinnen ausgeübt.
Eingesetzt wird die Methode bei muskulär bedingten Schmerzen: Nacken- und Rückenbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, Tennis- und Golferellbogen, Schulterproblemen oder Beschwerden in Hüfte und Wade. Eine Nadelung dauert nur wenige Sekunden bis Minuten pro Punkt; die gesamte Behandlung ist meist in eine Physiotherapiesitzung eingebettet. Danach kann der Bereich ein bis zwei Tage muskelkaterähnlich nachwirken, ein kleiner blauer Fleck ist möglich.
Als Teil einer ärztlich verordneten Physiotherapie wird Dry Needling in der Regel von der Grundversicherung getragen. Als Einzelleistung beim Selbstzahler liegt der Richtwert bei rund CHF 40 bis 100 je nach Umfang und Praxis (ohne Gewähr). Nicht geeignet ist Dry Needling unter anderem bei Nadelphobie, bestimmten Blutgerinnungsstörungen oder im akut entzündeten Gebiet.