Lange galten Faszien nur als passive Verpackung der Muskeln. Heute weiss man: Das Fasziennetz ist durchzogen von Nerven und Sensoren, reagiert auf Belastung und Stress und kann bei Bewegungsmangel, Überlastung oder nach Verletzungen «verkleben». Solche verklebten oder verdickten Faszien schränken die Gleitfähigkeit der Muskeln ein und können ziehende, schwer lokalisierbare Schmerzen verursachen – etwa im unteren Rücken, in der Fusssohle (Plantarfasziitis) oder am Oberschenkel.
In der Faszientherapie arbeitet die Therapeutin mit langsamen, tiefen Grifftechniken, Zug und Dehnung, um das Gewebe wieder geschmeidig zu machen. Bekannte Ansätze sind die manuelle Faszienbehandlung, myofasziales Release und Methoden wie Rolfing (strukturelle Integration). Die Griffe sind oft langsamer und tiefer als bei einer klassischen Massage; sie können anfangs intensiv sein, sollten aber gut auszuhalten bleiben. Ergänzt wird die Therapie durch aktive Faszienübungen und – für zuhause – das Ausrollen mit einer Faszienrolle.
Angewendet wird Faszientherapie bei chronischen Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Narbengewebe nach Operationen, Überlastungsbeschwerden im Sport und diffusen Verspannungen. Eine Sitzung dauert meist 50 bis 60 Minuten. Da Faszien Zeit brauchen, um sich umzubauen, sind oft mehrere Termine über einige Wochen sinnvoll.
Erfolgt die Faszienbehandlung im Rahmen einer ärztlich verordneten Physiotherapie, übernimmt die Grundversicherung. Als komplementärtherapeutische oder Massage-Leistung bei einem anerkannten Therapeuten beteiligt sich häufig die Zusatzversicherung. Selbstzahler rechnen mit rund CHF 100 bis 160 pro Sitzung (ohne Gewähr).