Beim klassischen Sehtest liest man Buchstaben oder Zahlen (Optotypen) auf einer Sehtafel in unterschiedlicher Grösse. Daraus ergibt sich der Visus, also die Sehschärfe – ein Visus von 1,0 (100 %) gilt als normal. Ergänzt wird das durch die objektive Messung mit einem Autorefraktometer und die subjektive Feinabstimmung, bei der man verschiedene Gläser vergleicht («besser so – oder so?»). So entstehen die Werte Sphäre, Zylinder und Achse (bei Hornhautverkrümmung) sowie die Addition für die Nähe.
Ein Sehtest beim Optiker dient dazu, Brillen- und Kontaktlinsenwerte zu ermitteln, und dauert etwa 20–30 Minuten. Er ersetzt aber keine augenärztliche Untersuchung: Krankheiten wie grüner Star (Glaukom), grauer Star, Netzhauterkrankungen oder Diabetesschäden am Auge werden nur beim Augenarzt mit zusätzlichen Geräten (Augendruck, Netzhautuntersuchung) sicher erkannt. Bei plötzlicher Sehverschlechterung, Schmerzen, Doppelbildern oder Lichtblitzen gehört man zum Arzt, nicht zum Optiker.
Sinnvoll ist ein Sehtest, wenn man unscharf sieht, häufig Kopfschmerzen oder müde Augen am Bildschirm hat, in der Dämmerung schlechter sieht – oder einfach zur Kontrolle alle ein bis zwei Jahre. Für den Führerausweis ist ein Sehtest obligatorisch; diesen dürfen Optiker mit entsprechender Anerkennung abnehmen.
Der Sehtest zur Brillenbestimmung ist beim Optiker in der Schweiz häufig kostenlos, sofern man dort eine Brille kauft; der Führerausweis-Sehtest kostet je nach Anbieter etwa CHF 20–40 (Richtwerte, ohne Gewähr). Eine augenärztliche Untersuchung mit medizinischer Indikation wird dagegen in der Regel über die Grundversicherung abgerechnet (abzüglich Franchise und Selbstbehalt).