Gleitsichtgläser (auch Mehrstärken- oder Progressivgläser genannt) sind für Menschen ab etwa 45 Jahren gedacht, bei denen die Alterssichtigkeit (Presbyopie) einsetzt. Das Auge kann dann nicht mehr flexibel zwischen Nah und Fern scharfstellen. Statt zweier Brillen deckt ein Gleitsichtglas den ganzen Sehbereich ab: Der obere Teil ist auf die Ferne eingestellt, der untere auf den Leseabstand von rund 30–40 cm, und der sogenannte Progressionskanal in der Mitte liefert die Zwischenwerte – ideal etwa für den Bildschirm.
Damit das funktioniert, muss die Brille exakt auf Gesicht und Gewohnheiten angepasst werden. Der Optiker vermisst neben den Sehwerten auch Pupillendistanz, Einschleifhöhe, Vorneigung und Hornhaut-Scheitelabstand. Je präziser diese Zentrierung, desto grösser die nutzbaren scharfen Zonen und desto kleiner die seitlichen Unschärfebereiche, die bei jedem Gleitsichtglas physikalisch bedingt entstehen. Höherwertige Gläser (individuell optimiert, «Freiform») haben breitere Sehkanäle und lassen sich leichter tragen.
Die Eingewöhnung dauert meist einige Tage bis zwei Wochen. Anfangs kann Kopfbewegung statt Augenbewegung nötig sein, weil man lernt, durch die richtige Glaszone zu blicken. Wer viel am Computer arbeitet, fährt manchmal besser mit einer zusätzlichen Bildschirm- oder Raumbrille (Nahkomfort-/Officeglas).
Preislich bewegt sich eine komplette Gleitsichtbrille in der Schweiz je nach Glasqualität, Veredelung und Fassung ungefähr zwischen CHF 600 und 1'500, Premium-Freiformgläser können darüber liegen (Richtwerte, ohne Gewähr). Die Gläser machen den grössten Anteil aus; Entspiegelung, Blaulichtfilter oder selbsttönende Gläser kommen als Aufpreis dazu. Die obligatorische Krankenkasse zahlt für Erwachsene in der Regel nichts an Brillen.